Nicht nur die Sprache gelernt – sondern das Leben
Artikel - Nicht nur die Sprache gelernt – sondern das Leben
Coucou mein Name ist Alicia und mache seit bald 9 Monaten einen Austausch in Frankreich. Ich erzähle euch gerne von meinen persönlichen Erfahrungen mit zahlreichen Höhen und Tiefen.
Mein Abenteuer hat früh am Morgen begonnen. Ich war sehr nervös am Tag des Abfluges und ich hatte einen Mix aus allen Gefühlen, den ich fast nicht in Worte beschreiben kann. Man ist nervös, traurig, angespannt aber vor allem auch dankbar und glücklich in diesem Moment, weil man endlich gehen kann. Es ist mir nicht einfach gefallen meiner Familie in der Schweiz «tschüss» zu sagen, auch weil ich ein sehr enges Verhältnis mit meinen Eltern habe, doch schlussendlich hat die Vorfreude wesentlich überwogen, endlich nach so vielen Formularen, Gesprächen und Tipps los gehen zu können und erfahren zu dürfen, was auf dich persönlich wartet.
Ich bin ganz alleine geflogen, was mir persönlich aber sehr gefallen hat, den so konnte ich noch einmal richtig gut durchatmen bevor dann auf mich eine ganz neue Kultur und ein ganz neues Leben wartete.
Das Aufeinandertreffen mit der Gastfamilie ist ein spezieller Moment für mich gewesen, den irgendwie, weiss man das man diese Familie noch so gut kennenlernen wird aber zu diesem Zeitpunkt ist man sich noch komplett fremd. An meinem ersten Schultag konnte ich es kaum erwarten neue Leute kennenzulernen und mir ein zusätzliches Leben, neben der Gastfamilie aufzubauen. An meinem ersten Schultag ging so gut wie alles schief und ich stand direkt vor der ersten Herausforderung, den ich wurde von meiner Gastmutter alleine in der Schule gelassen und schlussendlich stellte sich heraus, dass ich nicht mal auf einer Klassenliste stand, da die Schule ein riesen Durcheinander hatte. Ich musste also alleine zurück zum Haus und dort auf meine Gastmutter warten, weil sie nicht zu Hause war. Doch im Endeffekt war diese Herausforderung super, weil ich direkt lernen musste selbständig zu sein und selber eine Lösung zu suchen. An sich müsst ihr aber absolut keine Angst vor dem Ersten Schultag haben, denn alle Leute, sind selbst etwas nervös und sehr hilfsbereit.
Meine Highlights waren die zahlreichen Trips, die mir angeboten wurden von der Organisation aber auch von der Schule. Paris im Herbst zu sehen und dabei nicht nur eine der schönsten Städte zu besuchen, sondern auch noch gleichzeitig so viele neue Leute kennenzulernen aus der ganzen Welt war einfach wunderschön.
Einmal durch den Weihnachtsmarkt von Strasbourg zu schlendern, war ein grosser Traum von mir, der in Erfüllung gegangen ist. All die Lichter, die Gerüche und tausende von glücklichen Menschen, das war sehr beeindruckend.
Die Normandie und ihre einschneidende Geschichte vom zweiten Weltkrieg vor Ort zuhören und zu erleben, war super interessant.
Toulouse, auch «la ville rose» genannt, in ihrem Einklang der Farbe zu erleben mit meinen beiden Gastgeschwistern, war definitiv eine Reise wert.
Lourdes und die berühmte Geschichte von Sainte-Bernadette hautnah mitzuerleben, eine Lichterzeremonie mitzumachen und all die Hoffnung der zahlreichen kranken Menschen zu spüren, machte mich sprachlos.
Nach drei Monaten hat sich dann meine Gastfamilie und ich uns für einen Familienwechsel entschieden, was für mich eine grosse Herausforderung war aber auch das Beste, was mir passieren konnte. Es kann immer wieder vorkommen, dass die Chemie zwischen der Familie und dir nicht passt und dass man sich noch so viel bemühen und anpassen kann, und es nie wirklich passen wird. Dank INTO und meiner Lokalen Person vor Ort konnte ich aber sehr schnell die Familie wechseln und in weniger als einer Woche stand ich im Wohnzimmer einer neuen Familie.
Meine zweite Gastfamilie bestand aus einem Pärchen, welches zwei erwachsene Kinder hat, die aber nicht mehr zu Hause wohnen. Sie sind sehr daran interessiert mir ihr Land so gut es geht zu zeigen und aus diesem Grund machen wir viele Reisen. Ich fühle mich sehr wohl bei ihnen und ich habe auf jeden Fall gelernt immer offen zu sein für alles, was sie dir zeigen wollen.
Abschliessend kann ich euch nur ans Herz legen, dass viele Höhen und Tiefen auf euch zukommen werden aber das ihr mit denen so viel wachsen werdet. Gebt nie auf an das Positive zu glauben und seht immer die kleinen schönen Dinge am Tag, den im Endeffekt sind es die Freundschaften, die zahlreichen Besuche in den Boulangerien, das gemeinsame Lachen am Abendtisch mit der Familie und die Freizeitaktivitäten, die euren Austausch am meisten prägen werden. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und dass ich nicht nur eine neue Sprache fliessend sprechen kann, sondern auch gelernt habe aus meiner Komfortzone zu kommen aber auch zu merken, wo meine persönlichen Grenzen sind.