Vom Austausch aufs Velo – und bis zum Nordkap
Artikel - Vom Austausch aufs Velo – und bis zum Nordkap
Es war eine spontane Idee, die unser Leben für ein paar Wochen komplett auf den Kopf stellte. Etwa sechs Wochen vor der Abreise kam uns der Gedanke: „Lass uns doch bis ans Nordkap radeln.“ Wir beide – Brock und Maxime – lieben Abenteuer und Ausdauersport. Kennengelernt haben wir uns bei into Switzerland, im Rahmen der Vorbereitungsseminare für unsere Auslandssemester.
Im Januar 2022 gingen wir beide für sechs Monate ins Ausland: Maxime nach Vancouver in Kanada, Brock an die Côte d’Azur in Frankreich. Dort lernten wir, was es heisst, mutig zu sein, auf fremde Menschen zuzugehen und neue Kulturen mit Offenheit zu entdecken. Genau diese Fähigkeiten konnten wir nun auch auf unserer Fahrradtour anwenden – sei es beim Ansprechen von Fremden, beim Annehmen von Hilfe oder beim spontanen Lösen von Problemen direkt vor Ort.
Vorbereitung und Start
Geplant waren fünf Wochen und rund 3.800 Kilometer. Am Ende wurden es drei Wochen und etwa 2.300 Kilometer – also im Schnitt über 100 Kilometer pro Tag. Unser Alltag bestand in dieser Zeit aus nichts anderem als Radfahren, Essen, Schlafen und die Welt entdecken. Übernachtet haben wir entweder im Zelt oder bei Menschen, die uns spontan ihre Gastfreundschaft schenkten. Mit Gravelbikes, wetterfester Kleidung und einem kleinen Gaskocher im Gepäck machten wir uns auf den Weg. Die App Komoot half uns, internationale Radwege zu finden und grosse Strassen zu vermeiden.
Begegnungen unterwegs
Von Anfang an war die Tour geprägt von Begegnungen. In Frankreich, Deutschland, Dänemark und Schweden trafen wir auf unzählige Menschen, die uns neugierig ansprachen oder helfen wollten. Von Smalltalk bis ganzen Schachpartien war alles dabei. Oft hatten diese Leute selbst Bikepacking-Erfahrung. Viele waren beeindruckt von unserer Leistung – und genau das führte zu noch mehr Offenheit und Hilfsbereitschaft.
Besonders in Schweden fühlten wir uns willkommen. Dort gab es kaum Verkehr im Landesinneren, dafür endlose Wälder und eine ruhige, fast magische Stimmung auf den Strassen.
Entscheidungen und Erfahrungen
Jeden Tag mussten wir viele kleine und grosse Entscheidungen treffen: Wo schlafen wir heute? Reicht unser Proviant bis zum nächsten Laden, auch wenn dieser erst in 80 Kilometern liegt? Fahren wir einen Umweg oder waten wir durchs Wasser, wenn eine Brücke fehlt? Diese Erfahrungen haben uns Entscheidungsfähigkeit, Improvisation und Flexibilität gelehrt. Wir haben gemerkt, wie weit man mit dem Fahrrad tatsächlich kommen kann – und wie wichtig es ist, offen gegenüber fremden Menschen zu bleiben.
Landschaften
Die Natur war unglaublich vielfältig. Im Elsass radelten wir durch ländliche Dörfer, in Deutschland durch städtische Gebiete und später durch grüne Landschaften. In Dänemark fuhren wir grösstenteils an der Küste entlang, während Schweden geprägt war von endlosen Wäldern und unzähligen Seen – gross, klar und oft unberührt. Dort fühlte es sich manchmal an, als wären wir ganz allein unterwegs.
Herausforderungen
Natürlich blieb es nicht bei Idylle. Wir kämpften mit gebrochenen Speichen, Platten und defekten Laufrädern. Manche Routen führten über Flüsse ohne Brücken – dann hiess es Schuhe ausziehen und durchs Wasser waten. Wettertechnisch hatten wir Glück: in Deutschland war es teilweise sehr heiss, in Schweden kühl mit gelegentlichem Regen, aber ohne extreme Unwetter.
Dabei haben wir gelernt, dass man viele Probleme gar nicht im Voraus planen oder verhindern kann – sondern dass man sie am besten vor Ort löst, Schritt für Schritt, mit Kreativität und Gelassenheit. Besonders wichtig war dabei, im Team zu arbeiten, und sich gegenseitig zu entlasten, wo das möglich war.
Unvergessliche Momente
Einer der schönsten Abende war in Falköping in Schweden, wo wir zufällig auf ein „Raggare“-Fest stiessen. Dabei handelt sich um ein landesweit bekanntes Fest, wo Autofans ihre über 50-jährigen, amerikanischen Autos zur Schau stellten. Einheimische sprachen uns an, luden uns ein und wir verbrachten eine unvergessliche Nacht voller Gespräche, Musik und neuer Freundschaften. Genau solche spontanen Erlebnisse machten die Tour besonders.
Etwa 200 Kilometer nördlich von Stockholm mussten wir schliesslich umkehren, da Brock seine neue Stelle in Deutschland früher als geplant antreten musste. Die Ankunft in Stockholm war daher von gemischten Gefühlen geprägt: Einerseits war es schmerzhaft, das Nordkap aufzugeben, andererseits freuten wir uns nach drei Wochen auf unser eigenes Bett. Stolz auf die 2.300 Kilometer und die über 100 Kilometer pro Tag waren wir aber trotzdem.
Rückblick
Unsere Fahrradtour hat uns gezeigt, was das Motto von into Switzerland bedeutet: „Dive Into Life!“ Wir sind buchstäblich eingetaucht – in neue Länder, Kulturen, Begegnungen und Herausforderungen. Genau wie bei unseren Auslandsaufenthalten haben wir gelernt, offen zu sein, uns auf Unbekanntes einzulassen, Probleme vor Ort zu lösen und dabei über uns hinauszuwachsen.
Into steht für unvergessliche Erinnerungen, Erlebnisse und grossartige Freundschaften – und genauso war auch unsere Reise. Wir haben nicht nur neue Länder bereist und Abenteuer erlebt, sondern auch unsere eigene Freundschaft vertieft.
Wir würden jedem empfehlen, ein eigenes Abenteuer zu suchen. Es muss nicht gleich eine mehrwöchige Fahrradtour sein – aber rauszugehen, Neues auszuprobieren und fremden Menschen zu begegnen, lohnt sich immer.