Inselleben: mein unvergessliches Abenteuer in Norwegen
Artikel - Inselleben: mein unvergessliches Abenteuer in Norwegen
Ich habe mir lange überlegt, ob ich ein Auslandssemester in Norwegen machen will, doch irgendwann beschloss ich mich einfach dafür. Und es hat sich definitiv gelohnt! Ich habe viele neue Erfahrungen gemacht, die norwegische Kultur und Natur besser kennengelernt und Freundschaften fürs Leben geschlossen. Anstatt den gewohnten Schulstress zuhause konnte ich viele großartige und einmalige Momente erleben.
Mein Auslandsabenteuer startete im sogenannten «Orientation Camp» in Oslo. Dort habe ich Austauschschülerinnen und -schüler aus verschiedenen Ländern kennengelernt und von deren Placements und Gastfamilien erfahren.
Nach dem Camp reiste ich dann allein weiter nach Stavanger, die viertgrösste Stadt Norwegens.
Nachdem ich am Flughafen herzlich von meiner Gastfamilie empfangen wurde, machte ich auch schon meine erste Fährenfahrt. Denn nur so erreichte man mein Zuhause für das nächste halbe Jahr – eine kleine Insel namens Vassøy.
Ich habe mich bei meiner Gastfamilie direkt wohlgefühlt, sie haben mich gut in den Familienalltag integriert und wir haben viele Aktivitäten zusammen unternommen, wie zum Beispiel Wanderungen, Sauna mit anschliessendem Eisbaden, Kajakfahren und Stand-up-Paddeln im Meer, Spaziergänge sowie auch Frisbeegolfen auf der Insel. Ausserdem haben sie mir die Zubereitung von traditionellen Backwaren wie beispielsweise «Lapper» (norwegische Pfannkuchen) oder Weihnachtsplätzchen beigebracht.
In der Schule bin ich ziemlich gut mitgekommen, obwohl am Anfang alles neu war und ich aufgrund der Sprache einiges noch nicht verstand. Obwohl das Niveau ein wenig tiefer ist als hier in der Schweiz, ist die Schule in Norwegen lockerer gestaltet, man hat nicht so viele Prüfungen und duzt die Lehrer sogar. Mittags hatten wir jeweils nur 30 Minuten Pause, dafür endete der Unterricht meistens schon um 15:00 Uhr oder sogar früher. Nachdem man dann von der Schule nach Hause kam, gab es meistens direkt «Middag», also eine warme Mahlzeit am frühen Abend.
Ich trainierte dreimal in der Woche im Leichtathletikverein von Stavanger und nahm auch an einigen Wettkämpfen und Läufen teil. Ausserdem leitete ich mit einem anderen Mädchen die Gruppe der Drittklässler. Im Verein habe ich nette und hilfsbereite Leute kennengelernt und mir hat das Training sowie das Leiten viel Spass gemacht.
Anfangs kommunizierte ich auf Englisch, doch nach etwa anderthalb Wochen sprach ich nur noch Norwegisch mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden, obwohl es mich zu Beginn viel Überwindung kostete. Doch nur so konnte ich die Sprache auch wirklich lernen und schlussendlich ziemlich fliessend sprechen, worüber viele sehr erstaunt waren.
Da sich meine Schule und auch der Leichtathletikverein in Stavanger befanden, nahm ich jeden Tag mehrmals die Fähre. Daran musste ich mich anfangs zuerst gewöhnen, vor allem an die Abfahrtszeiten. In der Schule war ich meistens die Erste, teilweise eine Stunde zu früh, da es keine bessere Verbindung gab. Es konnte jedoch auch passieren, dass mir beim Nachhauseweg vom Training die Fähre vor der Nase fortfuhr und ich wiederum eine Stunde warten musste. Die Fährenfahrt habe ich aber immer sehr genossen, ich konnte mich mit anderen unterhalten, Bücher lesen oder einfach die Aussicht geniessen.
Einer der Höhepunkte meines Auslandsaufenthalts war natürlich, Weihnachten in einer norwegischen Familie zu feiern und deren Traditionen selbst mitzuerleben, wie beispielsweise das Essen von «Rakfisk» (eine Fischspeise, welche eigentlich niemand wirklich gerne hat, die aber halt zur Tradition gehört und deswegen trotzdem jedes Jahr serviert wird…) oder die legendäre Suche nach der «Mandel i grøten» (Mandel im Milchreis) an Heiligabend.
Silvester haben wir wieder auf Vassøy gefeiert, wir assen Truthahn und schauten danach am Fährenkai den Feuerwerken zu.
Einige Tage danach war es für mich auch schon an der Zeit, wieder nach Hause zu fliegen. Natürlich freute ich mich, meine Familie und Freunde in der Schweiz wiederzusehen, jedoch war ich auch sehr traurig, dass dieses Semester so schnell vorbeigegangen ist und ich mich von allen verabschieden musste.
Meine Zeit in Norwegen wird mir immer in Erinnerung bleiben, ich habe viele Male meine Komfortzone verlassen und Neues gewagt. Der Lebensstil in Skandinavien ist einfach ein anderer als hier in der Schweiz, alles ist ein bisschen entspannter und gemütlicher, man hat nicht so einen Stress und kann einfach das Leben geniessen. Ich empfehle jeder und jedem, der die Möglichkeit hat, sich für ein Austauschsemester zu entscheiden. Zu Beginn einige Zweifel zu haben ist normal, doch wenn man es nicht versucht, kann man auch nie sagen, ob es sich gelohnt hat.
Also, wagt den Sprung ins kalte Wasser und geniesst euer kleines Abenteuer in diesem wunderschönen Land!