Half a year away, a lifetime of memories in USA
Artikel - Half a year away, a lifetime of memories in USA
Nach dem ich mit meiner Familie bereits die USA – also das Land der unendlichen Weiten und unbegrenzten Möglichkeiten – bereisen durfte, war für mich spätestens nach dem Austausch meiner Schwester klar, dass ich auch für ein paar Monate an eine amerikanische High School gehen möchte. Ich wollte das amerikanische Alltagsleben erleben und kennenlernen. Tiefer in diese bereits bekannte Kultur eintauchen. Die Chance haben in einem sportverrückten Land meiner grossen Leidenschaft, dem Tennis, nachzugehen.
Sehr lange musste ich auf mein Placement warten und dann ging aber alles schnell, sehr schnell. Zwei Wochen nach den Sommerferien erhielt ich an einem Freitagmorgen während dem Unterricht meine Gastfamilie zugeteilt und bereits drei Tage später, also am Montagmorgen, stand der Abflug auf dem Programm. Klar anders als vorgestellt und in meiner Vorstellung ausgemalt.
Aber gleich nach dem ersten gemeinsamen Gespräch mit meiner Host Family, hatte ich ein gutes Gefühl und so freute ich mich – auch wenn der Abschied von Freunden und Familie ein paar Tränen kostete – auf meinen Flug.
Via Chicago nach Cincinnati – Ohio is calling…
In New Richmond, Ohio, wurde ich von meiner Gastfamilie mit offenen Armen empfangen. Schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich dort wie zu Hause. Die Herzlichkeit und Wärme, die mir entgegengebracht wurde, hat mir geholfen, mich schnell einzuleben und meine Ängste hinter mir zu lassen.
Der bevorstehende erste Schultag erfüllte mich mit grossem Respekt. Ich war die Neue, die Fremde, die Austauschschülerin – eine Rolle, die mich zunächst mit Unsicherheiten und Zweifeln konfrontierte. Doch diese Sorgen waren schnell vergessen: Schon von Beginn an begegneten mir meine Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Lehrpersonen mit einer beeindruckenden Offenheit und echtem Interesse. Durch ihre herzliche Aufnahme fühlte ich mich sofort willkommen. Dieses Gefühl der Zugehörigkeit nahm mir sämtliche Ängste und half mir, mich von Anfang an wohlzufühlen und offen auf neue Erfahrungen einzulassen.
Ein besonders spannender Aspekt meines Schulalltags war die Möglichkeit, meinen Stundenplan selbst zusammenzustellen. In den USA hatte ich die Freiheit, aus einer Vielzahl von Kursen zu wählen und so meinem persönlichen Interesse nachzugehen. So entschied ich mich beispielsweise für Astronomy, Forensics und Horror in Literatur – alles Fächer, die mir in der Schweiz völlig unbekannt waren. Diese aussergewöhnlichen Unterrichtsfächer machten das Lernen besonders abwechslungsreich und spannend.
Das Schulleben war voller Energie und Gemeinschaft: Homecoming, Spirit Weeks, verschiedene Clubs und die legendären Footballspiele am Freitagabend. Diese Abende, an denen die ganze Schule zusammenkam, das Team anfeuerte und einfach Spass hatte, gehören zu meinen schönsten Erinnerungen.
Mein absolutes Highlight: Tennis-Erfolge in den USA
Besonders prägend für mein Austauschjahr war meine Zeit als Tennisspielerin. Niemals hätte ich erwartet, in einem so sportbegeisterten Land derart erfolgreich zu sein. Gemeinsam mit meinem Team gelang es uns, gleich mehrere Titel zu gewinnen: Wir wurden SBAAC Champion, League Champion sowie GCTCA Champion. Darüber hinaus qualifizierten wir uns für die Sectionals und durften im berühmten Cincinnati Open Stadium spielen – genau dort, wo Roger Federer sieben Mal siegte. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, an so einem geschichtsträchtigen Ort ein paar Bälle zu schlagen.
Mein persönlicher Höhepunkt folgte, als ich als Einzelspielerin die States erreichte und als erster Schüler aus New Richmond unter die Top 8 von Ohio kam. Stolz und Glück erfüllten mich in diesem Moment. Nach jedem Sieg wurde ich von meiner Schule gefeiert: Mitschülerinnen, Mitschüler und Lehrpersonen feuerten mich an, beglückwünschten mich und liessen mich spüren, dass ich wirklich etwas Besonderes erreicht hatte. Diese Augenblicke voller Stolz und Freude gehören zu den Erlebnissen, die ich niemals vergessen werde.
Auch außerhalb der Schule war mein Leben bunt und voller Abenteuer. Mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden war ich oft auf dem Wasser unterwegs. Habe neue Sportarten wie Wasserski, Jetski und Surfen ausprobiert und dabei eine zweite Heimat gefunden. Die gemeinsamen Erlebnisse und die vielen kleinen und grossen Abenteuer haben mein Herz berührt und mich wachsen lassen.
Dieses halbe Jahr hat mich verändert. Ich habe gelernt, mutig zu sein, auf Menschen zuzugehen und Herausforderungen anzunehmen. Die Freundschaften, die ich geschlossen habe, und die Erfahrungen, die ich sammeln durfte, begleiten mich bis heute und geben mir Kraft und Zuversicht.
Dabei gehört mein ganz spezieller Dank meinen Eltern – und zwar meinen Eltern zuhause wie aber auch meinen Gasteltern – welche mir dieses halbe Jahr mit all den Erlebnissen ermöglichten. Herzlichen Dank!
Mein Rat an alle, die überlegen, ein Austauschsemester zu machen: Traut euch!
Es ist eine Reise, die euch nicht nur neue Perspektiven schenkt, sondern auch euer Herz berührt und euch Erinnerungen fürs Leben schenkt. Ich würde es jederzeit wieder tun. Nein, ich werde es wieder tun…